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Könnte die KESt auf Kursgewinne abgeschafft werden?

27,5 % ist die magische Zahl, die den österreichischen Privatanleger auf Schritt und Tritt begleitet. Es ist nämlich die Kapitalertragssteuer, die zu entrichten ist, wenn man Gewinne am Kapitalmarkt realisiert. Egal, ob es nun Ausschüttungen aus ETF, Dividenden oder Kursgewinne sind. Die KESt ist obligatorisch.


Wer allerdings schon länger an der Börse aktiv ist, der kann sich noch sehr gut an bessere Zeiten als Privatanleger erinnern. Bis 1. April 2012 entfiel die KESt nämlich, wenn Vermögenswerte wie Aktien länger als ein Jahr gehalten wurden. Dann wurden die Gesetze geändert und viele Börsianer haben sich daraufhin vom Markt zurückgezogen. Für das Etablieren einer Aktienkultur können derartige Gesetze nicht wirklich förderlich sein.


Als die derzeitige Bundesregierung ihr Regierungsprogramm vorgestellt hat, wurde gleich als erster Punkt die Befreiung der KESt auf Kursgewinne bei Aktien in Aussicht gestellt - freilich unter Berücksichtigung einer noch zu definierenden Behaltefrist. Seitdem darf man hoffen und gespannt sein, in welche Richtung dieses Kapitel künftig fortgeschrieben wird.


Aber warum macht man sich überhaupt darüber Gedanken?

Wie von mir schon einmal ausgeführt wurde, basiert das Pensionssystem in Österreich auf drei Säulen: Der gesetzlichen Altersvorsorge, der betrieblichen Altersvorsorge und der privaten Altersvorsorge.


Der demografische Wandel bereitet der gesetzlichen Altersvorsorge zunehmend Kopfschmerzen, da sich das Pensionssystem in Österreich nicht von selbst trägt. Schon heute muss der Staat einen erheblichen Anteil zuschießen, um das Pensionssystem am Leben zu halten. Und die demografische Entwicklung wird dem auch in Zukunft nicht zuträglich. In Zukunft werden die notwendigen Zuschüsse steigen müssen, da immer weniger Erwerbstätige eine immer höhere Anzahl an Pensionisten „bezahlen“ müssen.


Demnach muss es im Interesse des Staates liegen, dass die zweite und die dritte Säule in der Altersvorsorge eine größere, wichtigere Rolle einnehmen. Anreize für die private Altersvorsorge können unter anderem auch eine steuerliche Begünstigung sein - wie etwa der Wegfall der KESt.


Natürlich stünde noch die Frage im Raum, wie viele Personen sich mit der privaten Altersvorsorge beschäftigen würden, wenn die KESt entfiele. Aufklärung, Wissensvermittlung und die Hilfestellung, die Angst vor der Börse zu überwinden, wären ebenso wesentlich, um das Pensionssystem zu entlasten. Schließlich ist ein Gesetz, von dem a) niemand was weiß oder b) niemand weiß, was er damit anzufangen hat kein wirklicher Problemöser.


Aber ich persönlich würde mich natürlich freuen, wenn man gewisse Gesetze wieder rückgängig macht oder zumindest anlegerfreundlicher gestaltet, sodass mir meine private Altersvorsorge erleichtert wird. Schließlich kann man bei 27,5 % nicht wirklich von einem Obulus sprechen.

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