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Facebook und das Metaverse

Die Spatzen haben es von den Dächern gepfiffen und vergangene Woche wurden Fakten geschaffen: Aus Facebook wird Meta Platforms. Unter diesem Namen wird der Facebook-Konzern, zu dem bekanntermaßen auch Plattformen wie Instagram, WhatsApp oder Oculus gehören, künftig firmieren.


Gleichzeitig wurden wir in das Metaverse eingeführt. Einem Ort, der uns künftig virtuell verbinden soll.


Wer sich die durchaus spannende Präsentation von Meta Platforms ansehen möchte, findet nachstehend den Link zur Präsentation auf YouTube:


https://youtu.be/Uvufun6xer8


Für alle, die weniger Zeit haben, lohnt sich die Zusammenfassung der Präsentation:


https://youtu.be/gElfIo6uw4g


Eines ist dem Zuckerberg-Konzern gelungen: Man stand einmal mehr in den Schlagzeilen. Wobei das in den letzten Wochen auch nichts Ungewöhnliches ist. Immerhin gab es gleich mehrere negative Schlagzeilen in letzter Zeit.


Auch beim Metaverse und der damit einhergehenden Umfirmierung des Konzerns gehen die Meinungen auseinander. Es gibt wohl kaum einen Konzern, der derart stark polarisiert.


Ich habe die vergangenen Tagen mehrfach in Foren gelesen, dass der Schritt der Umfirmierung lediglich eine Taktik sei, um den Konzern in einem besseren Licht dastehen zu lassen. Dass man bloß den alten, negativ behafteten Namen austauscht, gegen eine saubere, weiße Weste, die man nun munter wieder beschmutzen kann.

Ich persönlich denke nicht, dass die Umfirmierung die Antwort auf negative Presse ist. Sind wir uns mal ehrlich: Der Konzern Facebook ist schon lange nicht mehr bloß Facebook. Mit Instagram oder auch WhatsApp vereint man in seinem Hause schließlich auch andere hochgradig erfolgreiche Plattformen. Insbesondere Instagram hat auch schon wesentliche Anteile am Unternehmenserfolg und eine erfolgreiche Monetarisierung von WhatsApp ist vermutlich auch bloß eine Frage der Zeit. Eine Umfirmierung war im Grunde genommen (über)fällig. Wenn man schon kritisieren möchte, dann maximal das Timing, aber am Ende des Tages wird auch das aus Sicht von Facebook keine Rolle spielen.


Um die Umfirmierung einzuordnen, muss man sich zwangsweise auch mit Oculus beschäftigen. Oculus wurde 2014 von Facebook übernommen und hat sich auf Virtual Reality spezialisiert. Und genau in dieser sieht Zuckerberg die Zukunft. Geht es nach Zuckerberg, treffen sich bis zum Ende des Jahrzehnts bereits über eine Milliarde Menschen virtuell im Metaverse und verbringen dort einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit. Ambitionierte Ziele, die sich Meta gesetzt hat.


Wer sich die Präsentation von Facebook zur Gänze angesehen hat, wird danach vermutlich etwas verstört sein. Schließlich bekommt man tatsächlich den Eindruck, dass wir uns künftig ausschließlich im virtuellen Raum bewegen sollen und das soziale Leben, wie wir es heute können, wird bis dahin nicht mehr stattfinden.

So wurde präsentiert, dass Remote-Work künftig virtuell stattfinden soll. Dass sich VR-Gaming zum Standard entwickelt. Dass wir unsere Kleidung via Augmented Reality erstmals anprobieren. Oder Möbel, die uns interessieren, erstmals via Augmented Reality in unserer Wohnung platzieren, um zu sehen, ob das Möbelstück auch gut aussieht. Oder für welche, die es auf die ganz krasse Tour mögen: Wer braucht schon eine Einrichtung, wenn er sich mit Hilfe einer VR-Brille eine Villa mit Meerblick „bauen“ kann. Auch Zeit mit unseren liebsten zu verbringen, geht künftig einfacher: Man trifft sich einfach virtuell.


Zugegeben: Das Bild, das uns Zuckerberg gezeichnet hat, ist schon krass. Als soziale Wesen, die wir Menschen nun mal sind, scheint die Vision von Facebook erstmals vollkommen irrsinnig.


Und genau das waren vieler Orts auch die Reaktionen. Von Größenwahn ist oft die Rede. Dass Meta den Anfang vom Ende des einstigen Facebook-Konzerns einläuten könnte. Aber Facebook würde nicht polarisieren, wenn man nicht auch davon lesen würde, dass Facebook eines Tages der wertvollste Konzern der Welt sein könnte.


Eines ist klar: Meta geht mit diesem Schritt ein Wagnis ein. Bereits im Jahr 2021 sollen gut 10 Milliarden Dollar in die Entwicklung des Metaverse fließen und dies ist erst der Anfang. Metaverse wird innerhalb des Konzerns die oberste Priorität eingeräumt.


Aber etwas anderes ist auch klar: Unternehmen können ihre Stellung und ihre Marktposition auf Dauer nur halten, wenn sie sich regelmäßig selbst neu erfinden. Wenn sie nicht nur mit der Zeit gehen, sondern Fortschritt gestalten.

Unter diesem Aspekt ist es durchaus gut, dass Zuckerberg neue Wege geht und das Unternehmen weiterentwickelt und versucht, es auf eine neue, höhere Ebene zu heben.


Vielleicht hilft es, die Vorstellung von Zuckerberg etwas differenzierter zu sehen, indem man die Möglichkeiten nicht als Gesamtes sieht. Indem man nicht der Vorstellung verfällt, dass sich unser komplettes Leben künftig auf einer virtuellen Basis bewegen wird. Sondern dass die Chancen der virtuellen Realität unser Leben ergänzen können. Und da muss man ganz klar sagen: Meta wirft sich hier auf gleich mehrere Megatrends.


Sehen wir uns ein paar Möglichkeiten anhand unterschiedlicher Situationen an:


Markus der Servicemitarbeiter:

Markus arbeitet von zu Hause, da sein Arbeitgeber ihm keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt oder er selbst gerne im Home Office arbeitet. Sein Arbeitgeber hat ihm aber ein virtuelles Bürogebäude mit eigenem Büro gebaut. Julia arbeitet im selben Unternehmen, ebenfalls von zu Hause aus und benötigt zur Fertigstellung eines Berichtes noch einen kurzen Austausch mit Markus. Sie verlässt also ihren Arbeitsplatz, klopft an Markus‘ virtueller Bürotür, betritt sein Büro und die beiden stimmen sich am kurzen Dienstweg ab, sodass der Bericht fertiggestellt werden kann. Anschließend legt Markus eine Pause ein und betritt den virtuellen Pausenraum seines Unternehmens. Dort trifft er Mehmet und Svetlana und plauscht ein wenig, bevor er wieder in sein virtuelles Büro zurückkehrt und seine Arbeit wieder aufnimmt.


Vollkommen richtig: Die Vorstellung ersetzt nicht die Realität. Aber vermutlich ist Home Office gekommen um zu bleiben und VR könnte durchaus die nächstbeste Variante sein, wenn ein persönlicher Austausch / Kontakt nicht möglich ist.


Sabrina die Zockerin:

Sabrina arbeitet als Sales Managerin bei einer großen Werbeagentur. Home Office ist kein Thema, da ihr Arbeitgeber seine Leute gerne im Büro sieht. Nach Feierabend gibt es für Sabrina nichts entspannenderes als 30 Minuten zu zocken. Ein paar Minuten in der virtuellen Gaming-Welt und die Strapazen des Tages sind vergessen.


Gaming ist ein wachsender Markt. Und VR bringt alle Möglichkeiten mit, um das Erlebnis noch realistischer zu machen.


Sophia die Studentin:

Sophia studiert im dritten Semester Biotechnologie an der renommiertesten Universität unserer Hemnisphäre. Einziger Nachteil: Sie ist gut 3000 Kilometer von ihrer Familie getrennt.


Das sind nur die vermutlich alltagstauglichsten Möglichkeiten, die mir einfallen. Auf die Fantasien des eCommerce, mögliche psychologische Behandlung via VR (zum Beispiel bei Phobien), Telemedizin, und viele weitere Möglichkeiten sind wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht eingegangen.


Man muss nicht alles gut finden, was uns Meta präsentiert hat. Aber wahrscheinlich werden alle etwas Gutes finden.


Insofern hat Meta vermutlich tatsächlich die Zukunft eingeläutet und ist drauf und dran, einen neuen Markt zu schaffen. Ein Angebot, das es noch nicht gab und das durchaus das Potenzial hat, uns allen etwas zu bringen.


Aus Investorensicht darf man sich aber natürlich die Frage stellen, ob ausgerechnet Facebook das Unternehmen sein wird, das diesen Markt einnehmen kann. Hätte uns vergangene Woche ein Mann namens Steve Jobs von dieser Vision erzählt, wäre die allgemeine Stimmung vermutlich weitaus euphorischer. An Facebook haftet schließlich doch irgendwie der Ruf der bösen Buben.


Wenn wir vom Metaverse sprechen, sprechen wir in jedem Fall von einer Wette. Viel weniger wird es aber die Wette sein, ob sich die Technologie durchsetzen wird, sondern viel mehr die, ob Meta jenes Unternehmen sein wird, das als großer Gewinner hervorgehen wird.


Mich würde eure Einschätzung sehr interessieren. Was haltet ihr von den Plänen?

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