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China-Aktien: Für mich nicht interessant

Eine stark wachsende Volkswirtschaft, eine im Durchschnitt vermögendere Bevölkerung, großartige Unternehmen und eine, den Gesamtmarkt betrachtende, niedrige Bewertung. Eigentlich ist hier alles angerichtet, um etwaige Cashreserven in den Ring zu werfen und auf Einkaufstour zu gehen.


Würde es sich hierbei um die Vereinigten Staaten handeln, dann wäre ich vorne dabei und würde genau das auch tun. Aber nein, im konkreten Fall geht es um China. Mein Depot ist sehr stark auf den amerikanischen Markt ausgerichtet und um China-Aktien habe ich bisher einen großen Bogen gemacht. Und die momentane Entwicklung bestätigt mich in meiner Meinung. Ich werde den Abstand weiterhin halten.


Zu groß ist mir das Aufsehen, das der chinesische Markt momentan erregt. Und damit meine ich gar nicht den drohenden Kollaps von Evergrande. Der wäre mir eigentlich noch relativ egal. Zwar hat das Unternehmen einen Schuldenberg von 300 Milliarden Dollar aufgebaut, aber das ist ein Aspekt, der mich lediglich aus Unternehmenssicht tangieren würde.


Was mir schon immer Bauchweh bereitet hat, sind drohende Eingriffe der Regierung, welche im Widerspruch zur freien Marktwirtschaft stehen. Und davon gibt es momentan mehr als man zählen kann. Videospielbeschränkungen für Kinder, Verstaatlichung von Nachhilfe, oder auch Kreditvergaben, mit denen man Alibaba nun den nächsten Tiefschlag versetzt, stehen wohl derzeit an der Tagesordnung. Alles Eingriffe, welche den langfristigen Unternehmenserfolg massiv schaden könnten.


Alibaba fährt seit Jahren eine höchst erfolgreiche Wachstumsstrategie. Die Quartalszahlen verdienen jedes Mal aufs neue das Prädikat "Stark". Dass ein derartiger Wert aber innerhalb eines Jahres dennoch über 40 % an Wert einbüßt, sucht in der Finanzwelt fast schon seinesgleichen.


Quelle: www.finanzen.net


Dass ein so wachstumsstarkes Unternehmen mittlerweile zu einem lächerlichen KGV von unter 18 gehandelt wird, könnte Schnäppchenjäger auf den Plan rufen. Frei nach dem berühmten Spruch von Warren Buffet: "Sei gierig, wenn die anderen ängstlich sind".


Oder man könnte es auch so sehen, dass Qualität nun einmal ihren Preis hat. Und dass das Damoklesschwert, das auf einem Unternehmen lastet, welches dem Reich der Mitte entspringt, kein Qualitätsmerkmal darstellt. Insofern könnte der niedrige Kurs gerechtfertigt sein.


Ich stelle mir bei China immer wieder die Frage, ob Unternehmen wie Alphabet, Amazon oder Apple genau so erfolgreich wären, wenn sie chinesische Unternehmen wären. Und ich für meinen Teil, kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Und wenn doch, dann unter einem ganz anderen Chance-Risiko-Verhältnis als es bei beispielsweise amerikanischen Unternehmen der Fall wäre.


Aus diesem Grund stellen chinesische Unternehmen für mich einfach kein Investmentcase dar. Es kann schon sein, dass ich mich täusche und dadurch viele Chancen verpasse. Das wird die Zukunft zeigen. Aber derzeit fühle ich mich mit dieser Einstellung wohler, als mit China-Aktien im Depot.

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