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100 - Lebensalter = Aktienanteil?!

Die oben genannte Formel ist wahrscheinlich eine der bekanntesten "Weisheiten" der Finanzbranche.


Sie besagt, dass der Aktienanteil im Depot das Ergebnis der Rechnung 100 - Lebensalter sein sollte. So wird einem 30 Jährigen ein Aktienanteil von 70 % nahegelegt, während ein 60 Jähriger nur noch 40 % Aktienanteil in seinem Depot halten sollte.


Die Gründe sind erstmals naheliegend: Der Mensch investiert, um im hohen Alter Reserven zu haben, die auch dazu beitragen die Pensionslücke zu schließen. Aus diesem Grund sollte das Geld nach und nach in risikoärmere Anlageklassen geschichtet werden, sodass das angesparte Vermögen "sicher" ist.

Während Aktien als renditenstark, aber auch riskant gelten, sind beispielsweise Anleihen eine risikoärmere Anlageklasse, die für die Anlage im Alter empfohlen wird. Schließlich möchte man vielleicht mit 60 Jahren in Pension gehen und ein Börsencrash 2 Jahre vor Erreichen der magischen Grenze wäre mehr als fatal.

Außerdem sind Anleihen auch hervorragend geeignet, um passive Einkommensströme zu generieren. Ich finde beispielsweise diesen ETF ganz interessant: iShares $ Corp Bond UCITS ETF


Soweit ist erstmals alles klar und die Formel hat sicherlich ihre Daseinsberechtigung. Mit heute 34 Jahren kann ich mir aber bei aller Liebe nicht vorstellen, meinen Aktienanteil jedes Jahr um .1 % zu verringern. So müsste ich heute schon 34 % meines Kapitals in risikoärmere Assets aufgeteilt haben, was ich nicht habe. Wenn ich mit 60 in Pension gehen möchte, kann ich mir auch mit 50 noch nicht so wirklich vorstellen, meine Quote derart drastisch nach unten zu schrauben.


Insbesondere unter Berücksichtigung des Aspekts, dass der Zinseszins wie ein Schneeball ist. Schließlich macht der Zinseszins erst ab einem gewissen Vermögen so richtig Spaß. Der Motor zündet nunmal erst nach ein paar Jahren so richtig und dann soll ich genau diesem Motor nach und nach den Saft abdrehen, nachdem ich ihn jahrelang geölt habe? Für mich ergibt das relativ wenig Sinn.


Außerdem darf man nicht vergessen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung immer weiter steigt. Auch dieser Faktor lässt die Formel etwas alt aussehen. Mittlerweile wird schon eher davon gesprochen, dass man 120 - Lebensalter heranziehen sollte. Ein Gedanke, mit dem ich mich schon eher anfreunden könnte, den ich aber tatsächlich auch nicht wirklich in Erwägung ziehe.


Am Ende des Tages muss wohl jeder für sich entscheiden, ob und was er mit dieser Formel anfangen möchte. Mir ist dieser Ansatz grundsätzlich etwas zu vorsichtig, da er auch wieder den Aktienmarkt als riskantes Spiel verteufelt.

Aber ganz grundsätzlich hat das vermutlich hauptsächlich mit der Risikotoleranz des einzelnen zu tun. Wer mit 40 eine Risikoaversion hat, wird auch mit 60 % Aktienanteil im Depot nicht allzu gut schlafen können.


Wer sein Vermögen auf Qualitätsaktien verteilt, in unterschiedlichen Branchen investiert ist und aufgrund des passiven Einkommensstroms auf Titel setzt, die auf eine lange Historie der stetigen Dividendenerhöhungen zurückblicken, kann doch wenig falsch machen? Ich denke da an Werte wie PepsiCo, Procter & Gamble oder auch Unilever. Das sind tolle Unternehmen, die ihr Geld in risikoarmen, nicht sonderlich volatilen Geschäftsfeldern verdienen.


Ich kann mir zum heutigen Zeitpunkt nicht vorstellen, dass ich diese Formel zukünftig groß ins Kalkül ziehen werde. Sollte sich daran wider Erwarten doch etwas ändern, seid ihr die Ersten, die davon erfahren werden.


Viele Grüße,

Manuel









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